Logo Begriffe und Methoden nachschlagen

Liquidität 2. Grades

Bei der Liquidität 2. Grades stellt man den kurzfristigen Verbindlichkeiten sowohl die liquiden Mittel als auch die Wertpapiere und die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegenüber. Diese Kennzahl wird auch als Einzugsliquidität, einzugsbedingte Liquidität, quick ratio oder auch acid test ratio bezeichnet.

Liquidität 2. Grades = liquide Mittel + Wertpapiere + Forderungen aus LuL. × 100 %
kurzfristige Verbindlichkeiten

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sind solche Verbindlichkeiten, die innerhalb eines Jahres fällig werden oder eine Restlaufzeit von einem Jahr haben. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen haben meist eine Fälligkeit von 10 Tagen. Je nach Branche werden davon bspw. 70 % innerhalb von 30 Tagen bezahlt. Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, die einen Teil der kurzfristigen Verbindlichkeiten ausmachen, haben in etwa die gleichen Fälligkeiten. Einen anderen Teil der kurzfristigen Verbindlichkeiten ergibt sich aus Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt, bspw. aus der Mehrwertsteuer oder es sind Verbindlichkeiten aus den Sozial­versicherungs­beiträgen. Diese sind ebenfalls meist innerhalb einiger Tage oder weniger Wochen fällig. Ein weiterer Teil sind Darlehen die noch eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr haben. Bei diesen kann das Unternehmen noch Monate Zeit haben, bis diese bezahlt werden müssen. Da die Preise auch die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer, Abschreibungen, Zinsen und Tilgung für Darlehen und weitere Aufwendungen decken müssen, sind die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in den meisten Fällen höher als die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Ausnahmen bilden Firmen, die wenige Rechnungen mit hohen Beträgen stellen, weil sie zum Beispiel stark von Projekt­geschäften leben. Im Allgemeinen sollten die liquiden Mittel und die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen aber mindestens so hoch sein, wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Der Zielwert für die Liquidität 2. Grades beträgt daher mindestens 100 %.

Die Aussagekraft der Liquidität 2. Grades ist deutlich höher als die der Liquidität 1. Grades. Gerade wenn Großkunden ihre offene Rechnung ausgleichen oder wenn es bestimmte Tage gibt, an denen große Rechnungsläufe stattfinden, eine Weile später über einen Bankeinzug die fälligen Gelder automatisch von den Bankkonten der Kunden abgebucht werden und somit ein Großteil der Rechnungen beglichen wird, kann es zu enormen Verschiebungen zwischen den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und den liquiden Mitteln kommen. Die Liquidität 1. Grades würde entsprechend ebenfalls stark schwanken ohne dass sich die wirtschaft­liche Situation des Unternehmens stark verändert hat, während die Liquidität 2. Grades bei den Zahlungs­eingängen unverändert bleibt.

In wieweit die Liquidität 2. Grades über den 100 % liegen darf, ohne dass Gelder ungenutzt im Unternehmen verbleiben, kann nur schwer beurteilt werden. Bei Dienstleistungs­unternehmen kann der Anteil der Löhne & Gehälter am Gesamtaufwand sehr hoch sein. Die im kommenden Monat fälligen Löhne & Gehälter finden sich aber nicht in den Verbindlichkeiten wieder. Dement­sprechend müssen die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen deutlich übersteigen, damit zum Ende des kommenden Monats genügend Gelder eingegangen sind, um die Mitarbeiter pünktlich bezahlen zu können. Auch bei in Kürze zu tätigenden Investitionen können große Bestände an liquiden Mitteln vorhanden sein, eventuell auch aus einem entsprechend hohen Darlehen, das schon ausbezahlt wurde. Darüber hinaus haben verschiedene Unternehmen recht große Einzelzahlungen, bspw. für Lizenzgebühren, Trassen- oder Netzgebühren, zu tätigen, die zwar in nächster Zeit fällig werden, zu denen aber auch noch keine Verbindlichkeit besteht. Die zugehörigen Rechnungs­abgrenzungs­posten sind dann im Wesentlichen, wenn nicht schon vollständig aufgelöst. Die Kennzahl ist also, wie alle anderen Kennzahlen auch, mit gebührender Vorsicht zu betrachten.