Logo Begriffe und Methoden nachschlagen

Arten von Rückstellungen

Bei Rückstellungen wird zwischen Schuldrück­stellungen und Aufwands­rückstellungen unterschieden.

Schuldrück­stellungen sind solche Rückstellungen, die gegenüber einem Dritten bestehen. Sie werden also für Außenver­pflichtungen gebildet. Dies können zum Beispiel noch ausstehende Steuerzahlungen gegenüber dem Finanzamt, zukünftige Betriebsrenten gegenüber Arbeitnehmern, Leistungen für Reklamationen gegenüber Kunden oder auch Beträge für fehlende Rechnungen gegenüber Lieferanten sein.

Aufwands­rückstellungen werden für Verpflichtungen gegenüber dem Unterneh­men selbst, also Innenver­pflichtungen gebildet. Dies können beispiels­weise Rück­stellungen für Reparaturen und Instand­haltung oder auch für Abraum­beseitigung sein.

typische Kategorien von Rückstellungen

Zu den Schuldrückstellungen zählen folgende typische Fälle von Rückstellungen:

  • Pensionsrückstellungen: Wenn ein Unternehmen eine Betriebsrente über eine Direktzusage gewährt, ist hierfür eine Pensionsrückstellung zu bilden. Direktzusage bedeutet, dass die Pensionen aus eigenen Mitteln finanziert werden und nicht über eine Pensionskasse, Direktversicherung, einen Pensionsfond oder eine Unterstützungskasse. Der Rückstellungsbetrag ist jährlich über ein versicherungsmathematisches Gutachten von einer dazu qualifizierten Firma zu ermitteln. Angesetzt wird der Barwert, also der abgezinste Betrag. Die jährlichen Anpassungen ergeben sich unter anderen aus Gehaltsanpassungen, dem Ein- und Austritt von Mitarbeitern, Zins­änderungen oder Änderungen der durchschnittlichen Lebenserwartung.
  • Steuerrückstellungen: Für die zu erwartenden Steuerzahlungen aus dem Jahresüberschuss und dem Umsatz sind Rückstellungen für Umsatzsteuer, Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer zu bilden. Das gilt allerdings nur, wenn die Höhe der Steuerschuld nicht schon bekannt ist, zum Beispiel, weil der Steuerbescheid schon vorliegt. In dem Falle wäre sonst eine Verbindlichkeit zu bilden.
  • Sonstige Rückstellungen:
    • Provisionsrückstellungen: Diese Rückstellungen werden gebildet, wenn im alten Geschäftsjahr Verkaufserlöse oder Vertragsabschlüsse erzielt wurden, für die es aber noch keine Provisionsabrechnung gegeben hat. Diese sind meist solche, die im Dezember entstanden sind, im Januar aber erst abgerechnet werden.
    • Urlaubsrückstellung: Für Urlaubstage, die im alten Jahr noch nicht genommen wurden und die die Arbeitnehmer mit ins neue Jahr nehmen dürfen, wird eine Urlaubsrückstellung gebildet.
    • Prozessrückstellungen: Befindet sich ein Unternehmen in einem schon anhängigen Gerichtsprozess, müssen Prozessrückstellungen für die Prozesskosten gebildet werden. Der Kläger darf allerdings nur die Kosten für Rechtsanwälte und Gericht rückstellen, ansonsten will er ja meist etwas haben. Der Beklagte muss auch die geschätzte Schadensersatz­summe zurückstellen, die er womöglich zahlen muss. Allerdings kann diese auch unter Rückstellungen für Schadenersatz gebildet werden.
    • Kulanz- und Gewährleistungsrückstellungen: Diese Rückstellungen werden für Ersatzleistungen, Preisminderungen und Nacharbeiten gebildet, wenn mit deren Inanspruchnahme zu rechnen ist. Es haben sich also beispielsweise schon Kunden dazu gemeldet oder es sind Fehler in der verkauften Ware bekannt geworden. Besteht eine rechtliche Verpflichtung, wird eine Gewährleistungsrückstellung gebildet. Fehlt diese, soll aber trotzdem nachgebessert oder der Kaufpreis erstattet werden, zum Beispiel aus wirtschaftlichen Erwägungen, um den guten Ruf zu bewahren oder anderes, wird eine Kulanzrückstellung gebildet.
    • Rückstellung für ausstehende Rechnungen: Hat ein Lieferant eine Dienstleistung erbracht oder Waren geliefert, jedoch bis zum Jahresabschluss noch keine Rechnung geschickt, wird eine Rückstellung für ausstehende Rechnungen gebildet.
    • Jahresabschluss- und Prüfungsrückstellungen: Für die Prüfung des Jahresabschlusses durch die Wirtschaftsprüfer wird eine Jahresabschluss- und Prüfungsrückstellung gebildet. Diese Rückstellung ist außerdem für Einlagerung der Jahresabschlussdokumentation, unterstützende Steuerberater, Hilfskräfte der Inventur und weitere Kosten im Jahresabschluss zu bilden, es sei denn, die Höhe der Aufwendung und die Fälligkeit der Zahlung steht schon fest, etwa weil die jeweilige Rechnung schon da ist.
    • Drohverlustrückstellung: Ist mit einem Verlust aus einem Vertrag zu rechnen, zum Beispiel, weil man sich verkalkuliert oder ganz schlecht verhandelt hat, muss eine Drohverlustrückstellung gebildet werden. Dies kann beipielsweise passieren, wenn man für Bauaufträge oder Softwareentwicklungen mehr Zeit, Material und Arbeit benötigt, als ursprünglich kalkuliert. Ist ein Festpreis mit dem Kunden vereinbart, kann hier ein Verlust drohen, wenn die Projekte sich verzögern.

Zu den Aufwandsrückstellungen sind folgende Rückstellung zu zählen:

  • Rückstellung für unterlassene Instandhaltung: Für diese Rückstellung muss der Instandhaltungstermin schon für das alte Geschäftsjahr bestanden haben und wird nun innerhalb von drei Monaten im neuen Geschäftsjahr nachgeholt. Zur Instandhaltung zählen Reparaturen, beispielsweise am Gebäude oder an Anlagen, oder die Beseitigung von Fehlern zum Beispiel in einer Software zur Anlagensteuerung. Nicht dazu zählen regelmäßige Wartungstermine, wie für Fahrzeuge und Maschinen. Außerdem muss die Verpflichtung gegenüber dem eigenen Unternehmen bestehen und nicht zum Beispiel für Reparaturen und Beseitigung von Schäden gegenüber Mietern, Kunden oder der Stadt.
  • Rückstellung für Abraumbeseitung: Hierbei geht es um den Aufwand für die Beseitigung von Gestein und Erde, das im Bergbau anfällt, bevor man an die Erze, Mineralien, Kohle oder ähnliches kommt, das man fördern will. Der Abraum muss dabei im alten Geschäftsjahr entstanden sein, weder früher noch später, und innerhalb der ersten drei Monate im neuen Geschäftsjahr beseitigt werden.