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Working Capital (WC) / Net Working Capital (NWC) im Vergleich zur Liquidität 3. Grades

Das Working Capital hat einen klaren Bezug zur Liquidität 3. Grades und wird in einigen Fällen sogar als Ersatz für die Liquidität 3. Grades genutzt.

Vergleich der Kennzahlen

+Vorräte
+kurzfristige Forderungen
+Wertpapiere (kurzfristig)
-kurzfristige Verbindlichkeiten
=Net Working Capital
+Zahlungsmittel
=Working Capital

Nebenstehend ist die Berechnung von Net Working Capital und Working Capital dargestellt. Die rot markierten Positionen können auch in der weiter unten abgebildeten Bilanz wiedergefunden werden. Als Vergleich dazu ist die Formel zur Berechnung der Liquidität 3. Grades in blau dargestellt. Auch diese Positionen sind in einer Bilanz weiter unten dargestellt. Im Vergleich der Berech­nungen dieser Kennzahlen kann man feststellen, dass gerade das Working Capital und die Liquidität 3. Grades auf den selben Bilanzpositionen basieren. Dadurch reagieren beide Kennzahlen auch auf die selben Entwicklungen innerhalb eines Unter­nehmens und lassen gleiche Interpretationen zu.

Liquidität 3. Grades =Umlaufvermögen
kurzfristige Verbindlichkeiten

Vergleich der Zielgrößen

Aus diesem Bezug leiten viele Autoren bestimmte Zielgrößen für das Working Capital ab, welche jedoch immer wieder mit viel Vorsicht zu genießen sind. Die Liquidität 3. Grades soll größer 120 % und kleiner als 150 % sein. Daraus ergibt sich, dass das Working Capital größer als 20 % und kleiner als 50 % der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Das Net Working Capital sollte danach etwas über 0 liegen.

Grundsätzlich kann auch die Goldene Bilanzregel angeführt werden, nach der die kurzfristigen Verbindlichkeiten immer kleiner als die kurzfristigen Forderungen sein sollten. Der Grund ist, dass es sonst passieren kann, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten pünktlich bezahlt werden müssen, jedoch über Zahlungen der kurzfristigen Forderungen und über die Zahlungsmittelbestände gar nicht genügend Geld dafür zur Verfügung steht. Dann müsste das Unternehmen entweder ein Darlehen bei der Bank aufnehmen oder Anlagevermögen verkaufen und somit an die Substanz des Unternehmens gehen. Auch dies würde für eine Zielgröße für das Working Capital von über 0 sprechen.

Allerdings ist die Goldene Bilanzregel für Banken definiert worden. Für produzierende Unternehmen und Dienstleister kann diese Regel jedoch unzweckmäßig oder gar negativ sein. Es gibt viele Unternehmen, die sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Zahlung von kurzfristigen Forderungen und Verbindlichkeiten haben. Beispielsweise kann es sein, dass der größte Teil der Kunden eines Unternehmens die Leistung direkt in Bar oder per EC-Karte bezahlen. Ist das Unternehmen dann auch noch ein Dienstleister, hat das Unternehmen unter Umständen ganz natürlich kaum Umlaufvermögen, jedoch durchaus ausreichende Geldzuflüsse. Unsere Beispiele zeigen, dass je nach Branche auch ganz andere Richtgrößen sinnvoll sind, so dass immer branchenspezifische Richtwerte ermittelt werden müssen. Jedoch kann aus den Zielwerten ein gewisses Verständnis für das Working Capital entwickelt werden.

Gegenüberstellung der Bilanzen zu den Kennzahlen

In den hier abgebildeten Bilanzen ist der Zusammenhang zwischen dem Working Capital und der Liquidität 3. Grades zu sehen.

Working Capital / Net Working Capital:
AktivaPassiva
AnlagevermögenEigenkapital
immaterielle VermögensgegenständeGrundkapital
Kapitalrücklage
SachanlagenGewinnrücklage
FinanzanlagenGewinn-/ Verlustvortrag
UmlaufvermögenJahresüberschuss/ Jahresfehlbetrag
Vorräte
ForderungenFremdkapital
Wertpapiere (kurzfristige)Rückstellungen
ZahlungsmittelVerbindlichkeiten
Anleihen
Verb. ggü. Kreditinstituten
erhaltene Anzahlungen
Verb. aus Lieferungen und Leistungen
Verb. ggü. verbundenen Unternehmen
Verb. ggü. Beteiligungen
sonstige Verbindlichkeiten
Liquidität 3. Grades:
AktivaPassiva
AnlagevermögenEigenkapital
immaterielle VermögensgegenständeGrundkapital
Kapitalrücklage
SachanlagenGewinnrücklage
FinanzanlagenGewinn-/ Verlustvortrag
UmlaufvermögenJahresüberschuss/ Jahresfehlbetrag
Vorräte
ForderungenFremdkapital
Wertpapiere (kurzfristige)Rückstellungen
ZahlungsmittelVerbindlichkeiten
Anleihen
Verb. ggü. Kreditinstituten
erhaltene Anzahlungen
Verb. aus Lieferungen und Leistungen
Verb. ggü. verbundenen Unternehmen
Verb. ggü. Beteiligungen
sonstige Verbindlichkeiten

In den Tabellen sieht man, dass für das Working Capital und die Liquidität 3. Grades die gleichen Bilanzpositionen herangezogen werden. Anleihen und Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten bleiben in beiden Fällen außen vor, weil sie typischerweise langfristige Schulden darstellen. Sollten sie kurzfristig, also weniger als ein Jahr, sein, müssten sie in der Berechnung in beiden Formeln mit aufgenommen werden. Die erhaltenen Anzahlungen sind enthalten, weil die Kunden dazu meist kurzfristig eine Leistung oder Lieferung erwarten. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen und gegenüber Beteiligungen gehören dann in die Berechnung, wenn sie kurzfristig sind. Dies wäre beispielsweise bei Lieferungen und Leistungen zwischen Unternehmen in einem Konzernverbund der Fall (d. h. bei Intercompany-Leistungen). Sollte das Unternehmen jedoch langfristige Darlehen an die verbundenen Unternehmen oder Beteiligungen gegeben haben, würden diese nicht in die Berechnung gehören. Sonstige Verbindlichkeiten gehören in die Berechnung, weil hier meist Verbindlichkeiten aus Lohnsteuer und Mehrwertsteuer gegenüber dem Finanzamt enthalten sind. Verbindlichkeiten aus SV-Beiträgen gegenüber Krankenkassen werden zwar auch in dieser Position gebucht, zum Monats-, Quartals- oder Jahresabschluss sollten sie gerade in Deutschland und Österreich aber nicht mehr enthalten sein, weil diese dort immer vor dem jeweiligen Monatsende zu bezahlen sind.