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Beispiel zur aufwandsorientierten Verbuchung von Materialaufwand

Bei Verwendung der aufwands­orientierten Verbuchung von Material­aufwand werden die Einkäufe von Rohmaterialien direkt in der Gewinn- und Verlust­rechnung als Material­aufwand erfasst. Es wird bei dieser Methode angenommen, dass keine Roh- und Verbrauchs­materialien eingelagert, sondern sofort verbraucht werden. Lagerbe­stände werden in der Bilanz im Allgemeinen nicht gezeigt, bzw. erfolgt die Erfassung erst nach der Inventur mit dem Geschäfts­abschluss. Diese Methode wird vor allem in Dienst­leistungs­unternehmen mit sehr geringem Material­verbrauch verwendet. Dazu ein Beispiel anhand eines Töpfers:

Ein Töpfer produziert Geschirr aus Ton und bemalt sie mit Farben. Zum Brennen des Geschirrs benötigt er Holzkohle. Ton, Farben und Holzkohle kauft er und verarbeitet sie direkt in der Produktion. Am Anfang hat der Töpfer lediglich 100 Gulden in der Kasse.

Anfangsbilanz:
Akiva Passiva
Umlaufvermögen100
Zahlungsmittel100
  
Eigenkapital100
Grundkapital100
100 100

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

1. Einkauf von Ton

per 5130 Materialaufwand (Rohstoffe) 25 G
per 1406 Vorsteuer 5 G
an 1600 Kasse 30 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

2. Einkauf von Farben

per 5130 Materialaufwand (Rohstoffe) 5 G
per 1406 Vorsteuer 1 G
an 1600 Kasse 6 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

3. Einkauf von Holzkohle

per 5130 Materialaufwand (Hilfsstoffe) 10 G
per 1406 Vorsteuer 2 G
an 1600 Kasse 12 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

Zwischenbilanz nach Rohstoffeinkauf:
Akiva Passiva
Umlaufvermögen60
sonstige Forderungen (kurzfristig)8
Zahlungsmittel52
  
Eigenkapital60
Grundkapital100
Jahresfehlbetrag-40
60 60

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

Zwischen-Gewinn- und Verlust-
rechnung nach Rohstoffeinkauf:
+Umsatzerlöse0
=betriebliche Leistung0
-Materialaufwand40
=Jahresüberschuss-40

vorhandene Rohstoffe
und Waren:
Ton25
Farben5
Holzkohle10

4. Formen und brennen des Geschirrs aus etwa der Hälfte der Materialien

(Ton 16 G + Holzkohle 6 G + Arbeitsleistung 8 G = Rohgeschirr 30 G)

vorhandene Rohstoffe
und Waren:
Ton9
Farben5
Holzkohle4
Rohgeschirr30

5. Bemalen der Hälfte des gebrannten Geschirrs

(Rohgeschirr 15 G + Farben 1 G + Arbeitsleistung 9 G = fertiges Geschirr 25 G)

vorhandene Rohstoffe
und Waren:
Ton9
Farben4
Holzkohle4
Rohgeschirr15
fertiges Geschirr25

6. Verkauf von mehr als 80 % des Geschirrs (Wert 20 G) mit 5 G Gewinn (bspw. durch gutes Verhandeln)

per 1600 Kasse 30 G
an 4400 Umsatzerlöse 25 G
an 3806 Umsatzsteuer 5 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

vorhandene Rohstoffe
und Waren:
Ton9
Farben4
Holzkohle4
Rohgeschirr15
fertiges Geschirr5

7. Einkauf von Ton

per 5130 Materialaufwand (Rohstoffe) 25 G
per 1406 Vorsteuer 5 G
an 1600 Kasse 30 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

8. Einkauf von Holzkohle

per 5130 Materialaufwand (Hilfsstoffe) 10 G
per 1406 Vorsteuer 2 G
an 1600 Kasse 12 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

vorhandene Rohstoffe
und Waren:
Ton34
Farben4
Holzkohle14
Rohgeschirr15
fertiges Geschirr5

9. Formen und brennen des Geschirrs aus etwa der Hälfte der Materialien

(Ton 16 G + Holzkohle 6 G + Arbeitsleistung 8 G = Rohgeschirr 30 G)

vorhandene Rohstoffe
und Waren:
Ton18
Farben4
Holzkohle8
Rohgeschirr45
fertiges Geschirr5

10. Bemalen eines Großteils des gebrannten Geschirrs

(Rohgeschirr 30 G + Farben 2 G + Arbeitsleistung 18 G = fertiges Geschirr 50 G)

vorhandene Rohstoffe
und Waren:
Ton18
Farben2
Holzkohle8
Rohgeschirr15
fertiges Geschirr55

11. Verkauf von mehr als Dreiviertel des Geschirrs (Wert 48 G) mit 3 G Verlust (bspw. durch schlechtes Verhandeln, Rabatte)
Rabatte werden eigentlich auf einem gesonderten Konto erfasst. Auf einem Wochenmarkt ist jedoch die Erfassung der einzelnen Verkäufe nur sehr schwer möglich und auch nicht notwendig. Daher sind in unserem Beispiel die Rabatte im Konto Umsatzerlöse enthalten.

per 1600 Kasse 53 G
an 4400 Umsatzerlöse 45 G
an 3806 Umsatzsteuer 9 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

Zwischenbilanz:
Akiva Passiva
Umlaufvermögen109
sonstige Forderungen (kurzfristig)15
Zahlungsmittel94
  
Eigenkapital95
Grundkapital100
Jahresfehlbetrag-5
Fremdkapital14
sonstige Verbindlichkeiten (kurzfristig)14
109 109

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU


Zwischen-Gewinn- und Verlust-
rechnung:
+Umsatzerlöse70
=betriebliche Leistung70
-Materialaufwand75
=Jahresüberschuss-5

vorhandene Rohstoffe
und Waren:
Ton18
Farben2
Holzkohle8
Rohgeschirr15
fertiges Geschirr7

12. Eine Inventur erfolgt nicht.

Eventuell sollte in diesem Fall eine Inventur durchgeführt werden. In diesem Fall würden die Vorräte eine relevante Größe bilden. Da hier in bedeutenden Umfang der Jahresüberschuss verringert wird, wäre Proteste durch das Finanzamt und die Wirtschaftsprüfer zu erwarten. Die ermittelten Vorräte würden dann mit folgendem Buchungssatz zum Jahresabschluss erfasst werden:

per 1100 Vorräte 50 G
an 4800 Bestandsveränderungen 50 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

Die Bilanz und die GuV würden dann folgende Werte ausweisen:

Zwischenbilanz:
Akiva Passiva
Umlaufvermögen159
Vorräte50
sonstige Forderungen (kurzfristig)15
Zahlungsmittel94
  
Eigenkapital145
Grundkapital100
Jahresfehlbetrag45
Fremdkapital14
sonstige Verbindlichkeiten (kurzfristig)14
159 159

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU


Gewinn- und Verlustrechnung:
+Umsatzerlöse70
+Bestands­veränderungen50
=betriebliche Leistung120
-Materialaufwand75
=Jahresüberschuss45

Warum weicht die Gewinn- und Verlustrechnung am Ende vor denen nach bestandsorientierter Materialaufwandsbuchung ab?

Nach der Logik der aufwandsorientierten Materialaufwandsbuchung sind die gesamten Rohstoffe schon verbraucht und keine mehr auf Lager. In der Inventur werden jedoch Rohstoffe mit gezählt. Da jedoch keine Unterscheidung mehr in Rohstoffe und halbfertige Erzeugnisse gemacht werden, werden die übrig gebliebenen Rohstoffe wie ein Zugang an halbfertigen Erzeugnissen behandelt. Der Jahresüberschuss ist damit wie auch der Lagerbestand richtig abgebildet. Die Bestandsänderungen wie auch der Materialaufwand sind zu hoch ausgewiesen. Da diese Methode jedoch nur in Fällen angewandt werden sollte, in denen ohnehin kaum Lagerbestände existieren, sollte der Effekt nicht allzu groß sein. Anderenfalls müsste geprüft werden, ob nicht ein Wechsel auf eine der bestandsorientierten Methoden ratsam ist.

Natürlich wäre auch eine Trennung der Lagerbestände bei der Erfassung in der Inventur in Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und in unfertige und fertige Waren denkbar. Der Buchungssatz sähe dann folgendermaßen aus:

per 1000 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 28 G
an 5885 Bestandsveränderungen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 28 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

per 1100 fertige Erzeugnisse (Bestand) 22 G
an 4800 Bestandsveränderungen fertige Erzeugnisse 22 G

Die Gewinn- und Verlustrechnung hätte dann folgendes Aussehen und wäre mit denen der bestandsorientierten Methoden gleich:

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

Gewinn- und Verlustrechnung:
+Umsatzerlöse70
+Bestands­veränderungen22
=betriebliche Leistung92
-Materialaufwand47
=Jahresüberschuss45