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Die Regelungen des IFRS

Die Regeln der Internationalen Rechnungslegung sind in Regelungen für einzelne Sachverhalte festgelegt, IAS (International Accounting Standards) bzw. IFRS (International Financial Reporting Standards) genannt. Erstellt wurden sie durch das International Accounting Standards Committee (IASC), einer Organisation aus den Dachverbänden der Wirtschaftsprüfer aus Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Japan, Kanada, Mexiko, den Niederlanden und den USA. 2001 wurde diese Organisation durch eine Stiftung abgelöst, dem International Accounting Standards Board (IASB), einem Gremium von 16 Rechnungslegungsexperten und finanziert von verschiedenen Wirtschaftsprüfungs­gesellschaften und Unternehmen weltweit. Das IASB entwickelt die Standards weiter und erstellt neue. Diese werden meistens von der Europäischen Kommission (EU-Kommission) übernommen. Danach sind die übernommenen Regelungen in den einzelnen Staaten der Europäischen Union rechtlich verbindlich. Die aktuellen Regelungen entstammen der Verordnung (EG) Nr. 1126/2008 der Kommission vom 3. November 2008. Diese sind auch in Deutschland und Österreich rechtlich verbindlich. Ein Geschäftsabschluss nach IFRS muss von Unternehmen aufgestellt werden, wenn sie kapitalmarktorientiert sind, also deren Anteile oder Schulden (Bonds) an einer Börse gehandelt werden. Von den übrigen Unternehmen können sie angewandt werden. Unternehmen, die an der Schweizer Börse gehandelt werden, müssen einen Abschluss nach IFRS oder nach US-GAAP, US-amerikanischen Rechnungslegungsregeln für kapitalmarktorientierte Unternehmen, erstellen.

Die Regelungen heißen IAS bzw. IFRS. Sie regeln einzelne Sachverhalte der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung, wie bspw. der IAS 2 die Vorräte oder der IAS 16 die Sachanlagen oder einzelne Spezialthemenbereiche, wie IAS 41 zur Landwirtschaft oder der IFRS 6 zur Bewertung von Bodenschätzen. Die unterschiedliche Benennung nach IAS und IFRS ist ohne Bedeutung. Die einzelnen IAS wurden ab 2003 mit IFRS bezeichnet und die Numerierung neu begonnen, nachdem das IASC durch das IASB ersetzt wurde. Zugehörig sind noch die Interpretationen der Standards, die SIC und die IFRIC.

Die Standards haben ein Rahmenkonzept, das Framework, welches Regeln beinhaltet, wie, dass der Jahresabschluss verständlich, verlässlich, neutral, vollständig usw. sein muss. Diese können mit den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) der deutschen Rechnungslegung verglichen werden. Das Framework ist selbst kein Standard, es wurde nicht von der EU übernommen, gilt aber dennoch als Rahmenkonzept für die einzelnen Standards. Ohne das Framework können die Standards auch nicht richtig angewendet werden, womit es implizit dann doch wieder gültig ist.

Danach folgen die einzelnen Standards. Diese sind anhand von Beispielen aufgebaut und folgen der Logik des anglo-amerikanischen Fallrechts (Case Law). In dieser Logik werden anhand von Präzendenzfällen allgemeingültige Regeln definiert. Die deutsche Rechnungslegung ist dagegen in Gesetzen festgelegt, im Wesentlichen im Handelsgesetzbuch (HGB) und in Steuergesetzbüchern. In Österreich sind diese im Unternehmensgesetzbuch (UGB) festgelegt. Im HGB bzw. UGB sind allerdings meist nur allgemeine Regeln oder bspw. die Struktur der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung definiert, während die detaillierten Regeln, bspw. für Sachanlagen, in Urteilen des Bundesfinanzhofes in Deutschland und des Verwaltungsgerichtshofes in Österreich definiert werden. So ist bspw. die Frage, dass in Deutschland ein Wirtschaftsgut greifbar sein muss, damit es als Vermögensgegenstand in die Bilanz gehört, in verschiedenen Fällen vor Gericht geregelt worden, bspw. Urteile des Reichgerichtes vom 27.07.1914, des Reichfinanzhofes vom 13.09.1927 und vom 21.10.1931 und des Bundesfinanzhofes vom 09.07.1969 und vom 18.06.1975, und weiteren anderen. Ein anderes Urteil dazu des Reichsgerichtes vom 02.09.1908 wurde vom Bundesfinanzhof im Urteil vom 02.09.1988 aufgehoben und neu geregelt. All die eben genannten Urteile, außer natürlich dem aufgehobenen, sind bis heute gültig und regeln damit die Buchführung in Deutschland. Durch dieses Vorgehen folgt die deutsche und die österreichische Rechnungslegung am Ende faktisch auch wieder einzelnen Präzedenzfällen.