Logo Begriffe und Methoden nachschlagen

Buchungssätze beim Erwerb eigener Anteile

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Erwerb eigener Anteile nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Darüber hinaus verlieren die Anteile, die vom eigenen Unternehmen erworben werden ihre Rechte, wie Stimmrechte, Bezugsrechte oder Rechte bei Dividentenzahlungen. In Deutschland und Österreich ist der Handel mit eigenen Aktien zudem verboten.

=
Aktie zum Nennbetrag von 100 Gulden
Quelle: Wikimedia
Lizenz: Creative Commons by-sa 3.0 de

Eigene Anteile sind in der Bilanz als Negativposition zum Eigenkapital auszuweisen (§ 272 Abs. 1a HGB in Deutschland; § 229 UGB in Österreich bzw. Art. 959a Abs. 2 Ziff. 3 Bst. e OR in der Schweiz). In Deutschland und Österreich ist dabei zu berücksichtigen, dass die Aktien im Wert ihres Nennbetrags, also dem Wert, der auf der Aktie notiert ist, im Grund­kapital, Stamm­kapital bzw. Fest­kapital erfasst ist. Die Differenz vom Nenn­betrag zum eigent­lichen Ausgabe­betrag, zu dem die Aktien dann tatsächlich bspw. an der Börse verkauft wurden, findet sich in den Kapital­rücklagen wieder. Dement­sprechend ist auch die Negativ­position in den Anteil für den Nennbetrag und die Differenz zum Kauf­preis aufzuteilen. In der Schweiz wird dagegen der Gesamtbetrag in einer Minuspostion gezeigt.

Buchung des Erwerbs eigener Anteile in Deutschland und Österreich

Als Beispiel wurden 100 Aktien mit einem Nennbetrag von 5 G pro Aktie zu einem Preis von 8 G pro Aktie ausgegeben. Davon werden nun 5 Aktien zu einem Aktienkurs von 9 G erworben:

per 2909 Erworbene eigene Anteile 25 G
per 2961 Andere Gewinnrücklagen aus dem Erwerb eigener Anteile 20 G
an 3510 Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern 45 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

Meist fallen in diesem Zusammenhang auch noch weitere Aufwendungen an, bspw. für die Bank oder den Steuerberater. Diese werden dann über den folgenden Buchungssatz erfasst:

per 6918 Aufwendungen aus dem Erwerb eigener Anteile 10 G
an 3300 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 10 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

Im Ergebnis finden sich auf der Passiva der Bilanz zwei negative Positionen zum Eigen­kapital. Das Stamm­kapital wird dabei in unver­änderter Höhe gezeigt, weil dieses mit diesem Betrag immer noch im Handels­register in Deutschland und in der Schweiz bzw. im Firmen­buch in Öster­reich einge­tragen ist. Eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlust­rechnung können dann wie folgt ausschauen:

Bilanz:
Akiva Passiva
Umlaufvermögen950
Zahlungsmittel950
  
Eigenkapital895
Grundkapital500
eigene Aktien-25
Kapitalrücklage300
Gewinnrücklage150
eigene Aktien-20
Jahresfehlbetrag-10
Fremdkapital55
Verbind­lichkeiten gegen­über Gesell­schaftern45
Verbind­lichkeiten aus Lieferungen und Leis­tungen10
950 950

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

Gewinn- und Verlust­rechnung
+Umsatzerlöse0
-sonstiger Aufwand-10
=Jahresfehlbetrag-10

Die Korrekturposition zu den Kapital­rücklagen ist unter den Gewinn­rücklagen zu finden, weil im Gesetz von freien Rück­lagen die Rede ist, die zu verwenden sind, und Kapital­rücklagen keine freien Rücklagen sind.

Buchung des Erwerbs eigener Anteile in der Schweiz

Die Aktiengesellschaft in unserem Beispiel hat 100 Aktien emittiert. Der Nennwert jeder Aktie beträgt 5 G, jedoch konnten die Aktien erfolgreich plaziert werden und wurden zu 8 G je Aktie ausgegeben. Nun kauft das Unternehmen 5 dieser Aktien zurück und bezahlt sie mit 9 G das Stück. Der Buchungssatz lautet nun:

per 2980 eigene Aktien 45 G
an 2210 Sonstige kurzfristige Verbindlichkeiten 45 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

Zusätzlich fallen beim Erwerb eigener Anteile noch weitere Aufwendungen an. In unserem Fall nehmen wir einen zusätzlichen Aufwand von 10 G an:

per 6700 Sonstiger betrieblicher Aufwand 10 G
an 2000 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 10 G

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

In der Bilanz wird am Ende des Eigenkapitals nun eine neue Position für die eigenen Anteile ausgewiesen. Die Aufwendungen werden in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen:

Bilanz:
Akiven Passiven
Umlaufvermögen950
flüssige Mittel950
  
Fremdkapital55
Verbind­lichkeiten aus Lieferungen und Leis­tungen10
Verbind­lichkeiten gegen­über Gesell­schaftern45
Eigenkapital895
Grundkapital500
Kapitalreserve300
Gewinnreserve150
Jahresverlust-10
eigene Aktien-45
950 950

SKR03 SKR04 SKR07 EKR KMU

Gewinn- und Verlust­rechnung
+Umsatzerlöse0
-sonstiger Aufwand-10
=Jahresverlust-10